Wenn es dunkel wird

Reiner Lux
Familie und Partnerschaft
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Eine Glaubensschwester sprach in der Gemeinde zu mir:

„Ich verstehe nicht, dass Gott deinen Mann nicht gerettet hat. Es haben so viele Menschen für ihn gebetet.“

Aber stimmt das? Ja, mein Mann ist nach sieben Wochen im Krankenhaus auf der Intensivstation an einer Sepsis gestorben. Aber hat Gott einen anderen Weg eingeschlagen als den, den ich mir von Herzen gewünscht habe?

Seine Wege sind nicht unsere Wege, aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Seine Wege stets die Besten sind (Jesaja 55,8.9; 2. Samuel 22,31). Warum bin ich trotz des bitteren Verlustes und des Leides dankbar? Ich habe meinen Mann sehr geliebt und ich vermisse ihn jeden Tag schmerzlich. Die Liebe Gottes zeigt sich unterschiedlich und manchmal müssen wir zur Ruhe kommen um sie zu erkennen.

Rettung vor der Verblutung

Am 25. Mai 2025 ließ sich mein Mann ins Krankenhaus einliefern, nachdem er in der Nacht erhebliche Atemnot hatte. Es wurde eine Entzündung des Herzens und des Aortenbogens festgestellt, was zu einer Wasseransammlung in der Lunge geführt hat. Der Kampf begann. Medikamente, um die Entzündung zu stoppen und zurückzudrängen, Entwässerung der Lunge usw. Mein Mann klagte über extreme Kopfschmerzen, kein Mittel half, leider wurde es ignoriert. So vergingen einige Wochen. Dann endlich, der OP-Termin wurde für einen Donnerstag angesetzt. Der Narkosearzt kam und besprach alles mit uns. Alles war gut, wir waren zuversichtlich. Spät abends kam eine Ärztin zu meinem Mann um eine Unterschrift zu erhalten. Genau in diesem Moment verlor mein Mann seine Fähigkeit die richtigen Worte zu finden und seine Unterschrift zu leisten. Um 23 Uhr wurde er ins CT geschickt und es wurde eine Blutung im Kopf festgestellt. Die Herz-OP wurde abgesagt. Er wäre auf dem OP-Tisch verblutet und keiner hätte gewusst warum. Gott möchte ihn retten, oder?

Sein Kopf wurde operiert und alles heilte gut. Ich sah aber, wie sein Körper abbaute. Doch ich vertraute darauf, dass Gott ihn retten wird. Er hat ihn ja schon vor dem sicheren Tod bewahrt, nicht wahr? Nach einiger Zeit wagte es der Oberarzt, die schwierige OP vorzunehmen. An einem Freitagmittag war es dann soweit. Ich durfte ihn selbst auf die OP vorbereiten und wir haben die Zeit miteinander genossen, soweit das möglich war. Um 3 Uhr nachts bekam ich den Telefonanruf, dass er jetzt auf der Intensivstation ist und sein Zustand stabil sei. Ich war erleichtert, ich war zuversichtlich. Gott hat ihn erhalten, nicht wahr?

krankenhaus

Wiederbelebung

Wenn man über neun Stunden an der Herz-Lungenmaschine hängt, versagen die Nieren, der Körper schwillt an. Als ich ihn am Sabbat besuchen durfte, war ich auf diesen Anblick nicht vorbereitet, ich habe ihn fast nicht erkannt. Ein Schock, ein Schmerz, absolute Hilflosigkeit. Geschwister schafften es, die Ärztin zu überzeugen, dass ich am nächsten Tag früher kommen konnte. Wir vereinbarten 10 Uhr, normal ist 16 Uhr. Ich bin von Natur aus ein pünktlicher Mensch, aber am Sonntag habe ich getrödelt und war erst um 10:10 Uhr vor der Intensivstation. Man ließ mich warten. Die Ärztin fing mich ab und erklärte mir, dass mein Mann exakt um 10 Uhr ohne Vorzeichen einen Herzstillstand hatte, sie ihn aber wiederbeleben konnten. Leider brachen sie ihm dabei zwei oder drei Rippen. Der Herr hat ihn gehalten und will ihn retten, nicht wahr?

Als er im Koma lag, las ich ihm aus der Bibel vor, aus dem Lukasevangelium und den Psalmen. Als die Schwester hereinkam, wollte ich aufhören, aber sie bat mich weiterzulesen, denn sein Puls und Herzschlag beruhigten sich dann immer. Der Herr ist mit ihm.

Am Rand des Ertragbaren

2 ½ Wochen Intensivstation brachten mich an den Rand des Ertragbaren, aber egal was die Ärzte sagten, ich war zuversichtlich. Ich wollte nicht sehen was die Maschinen und auch der Körper meines Mannes mir sagen wollten. Ich konnte es nicht.

Nach ein paar Tagen wurde er aus dem künstlichen Koma herausgeholt und hatte Schmerzen. Nach einigen Tagen versuchte er schon selbstständig zu atmen, aber er musste nach einigen Stunden wieder an den Beatmungsschlauch angeschlossen werden. Sein ganzes Leiden möchte ich hier nicht erwähnen. Einen Menschen, den du seit 37 Jahren liebst, mit dem du durch dick und dünn gegangen bist, leiden zu sehen ist die furchtbarste Erfahrung meines Lebens. Wie war es erst für ihn! Ich hätte es ihm so gerne abgenommen, aber Gott wird ihn retten, nicht wahr?

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Dein Wille geschehe!

An einem Sabbatabend konnte ich nicht mehr. Ich brach in einer Bibelstunde in Tränen aus. Mein Glaubensbruder gab mir folgenden Rat: Geh in den Wald oder deinen Garten und bete zu Gott! Überlass Ihm alles! Sage Ihm: Dein Wille geschehe und meine es auch so! Gib die Kontrolle ganz ab! Dann geh morgen zu deinem Mann und bitte ihn um Vergebung für jedes böse Wort oder jede böse Tat, die du gegen ihn verübt hast und vergib auch du ihm!

Das tat ich. Es war der schwerste Satz, den ich je in meinem Leben gesprochen habe: Dein Wille geschehe! Mein Mann und ich haben uns gegenseitig vergeben. Ich werde seinen Blick nicht vergessen, ich kann ihn nicht beschreiben, aber ich glaube er wusste mehr als ich. Am Montag hatten wir noch eine schöne und zum Teil lustige Zeit miteinander von 16 bis 19 Uhr. Am Dienstag früh um 9 Uhr bekam ich den Anruf, dass ich mich beeilen soll. Eine Kollegin brachte mich ins Krankenhaus. Mein Mann lag im Sterben. Nach einiger Zeit ließ ich die Maschinen abstellen und bis zu seinem letzten Atemzug bat ich Gott ein Wunder zu tun. Aber Er tat es nicht, denn das Wunder war schon geschehen.

Das Wunder war (schon) geschehen

Mein Mann hielt den Sabbat, er hatte seine Ernährung zum Teil schon umgestellt, er betete vor dem Essen und erinnerte mich auch in den Restaurants daran, vor dem Essen zu beten. Er war nicht getauft, aber auf dem Weg zu Jesus. In diesem Krankenhaus haben zwei Parteien um meinen Mann gekämpft, aber Gott lässt nicht zu, was er nicht zulassen möchte. Günthers Gnadenzeit lief ab, Gebete haben uns Zeit erkauft, aber den Willen Gottes nicht verändert. Er hatte Geduld, bis wir das richtige getan hatten. Dann konnte er meinen Mann von seinem Leid befreien. Und so habe ich die Hoffnung ihn wiederzusehen am großen Tag des Herrn. Ich kann es kaum erwarten.

sonnenaufgang

Stille ist nicht die Abwesenheit von Lärm, sondern es ist die Stille, die entsteht, wenn die Geräusche eines geliebten Menschen nicht mehr da sind.

Mein Gott hat mir Seine unermessliche Liebe nicht nur am Kreuz gezeigt, sondern auch auf dieser Intensivstation. ER hat für meinen Mann gekämpft. Wir kennen Seine Wege oft nicht, aber sie sind stets gut! Ihm sei Preis, Ehre und Dank in alle Ewigkeit (Offenbarung 4,9)!

Unsere Gnadenzeit kann schneller ablaufen als wir denken. Sind wir bereit, unserem Schöpfer und Erlöser zu begegnen?